Generationenwechsel im Rathaus
Bürgermeister Nicolas Havel in Freienhagen vereidigt

Generationenwechsel: Der scheidende Bürgermeister Jürgen Vollbracht überreichte seinem Nachfolger Nicolas Havel feierlich die Bürgermeisterurkunde. © Büchsenschütz, Jakob
Waldeck – Dies sei eine seiner zwei Lieblingsveranstaltungen in der Stadthalle Freienhagen, bewertete Waldecks neuer Bürgermeister Nicolas Havel seine Amtseinführung. „Nummer Eins war unsere Hochzeit“, fügte er hinzu. In seiner Antrittsrede legt er die Werte offen, nach denen er sich während seiner Amtszeit richten werde: „Vertrauen, Klarheit, Respekt, Einigkeit und Mut“, zählte er auf. Seinem Vorgänger, Jürgen Vollbracht, dankte Havel für den professionellen Übergang. Er kündigte an, die Kommunikation mit der Bevölkerung durch den Bürgerrat und die unter Vollbracht eingeführte „Bürger-App“ noch enger zu gestalten. Genau wie der neue Bürgermeister der Gemeinde Edertal, Frederik Westmeier, wolle auch er das Ehrenamt stärken. „Glauben Sie mir, es fühlt sich gut an, etwas für die Gesellschaft zu tun“, ermunterte er die Gäste.
Emotional wurde es bei der Abschiedsrede vom scheidenden Bürgermeister Vollbracht. Er freue sich nun auf eine Verschnaufpause, erklärte er. Bei Havel bedankte er sich für den fairen Wahlkampf. Als er seiner Frau Jutta für die fortwährende Unterstützung dankte, übermannten ihn schließlich die Emotionen. Großer Applaus, initiiert von Kultusminister Armin Schwarz, gab Jürgen Vollbracht den nötigen Raum dafür.
In einer Laudatio lobte der erste Stadtrat Bruno Arlt die Art, mit der Vollbracht in den letzten sechs Jahren die Stadt geführt habe. Durch geschickte Verhandlungen habe er die Teilnahme in zahlreichen Förderprogrammen erreicht.
Schwarz wurde bei seinen Grußworten konkreter. Die neue Schule in Sachsenhausen und die Kita in der alten Schule seien wichtige Punkte der Kinderbetreuung, lobte er. „Vor sechs Jahren haben wir damit gerechnet, dass die Einwohnerzahl von Waldeck um tausend sinken würde. Stattdessen sind es heute hundert Kinder mehr“, hob Schwarz hervor. Junge Familien zögen vermehrt nach Waldeck, was für die Attraktivität der Stadt spreche. Die Kläranlage auf Scheid und die Renovierung des Waldecker Marktplatzes machten die Stadt lebenswerter. „Und die Ausweitung des Nationalparks ist ein Beispiel für die gute Zusammenarbeit von Kommune, Land und Bund“, schloss Schwarz.
Danach richtete Schwarz das Wort an Havel. „Da findet ein Generationenwechsel statt“, bemerkte er. Das jüngere Alter spreche aber für den Nachfolger und nicht gegen seine Expertise. „Ein Blick in Havels Vita ist ein Blick ins kommunale Lehrbuch“, erklärte Schwarz. Zudem erwähnte er Havels Wohnsituation in einem Mehrgenerationenhaus, das sei einer Stadt im Prinzip sehr ähnlich. „Du, Nicolas, bist jetzt Papa der gesamten Stadt“, sagte er in Anspielung auf dessen Rolle als Familienvater.
Erster Kreisbeigeordneter Karl-Friedrich Frese arbeitete in der Vergangenheit bereits mit Havel zusammen und bedankte sich in seinen Grußworten für die Zusammenarbeit. Ein zuvor erwähntes Gerücht, nach dem ein Bürgermeister pro Amtsjahr ein Kilo zunehme, entkräftete er. „Immerhin bin ich 45 Jahre in der Kommunalpolitik, ganz so viele Kilos waren es nicht“, erklärte er scherzend.
Bürgermeister Ralf Gutheil begrüßte Havel in der Runde der nordhessischen Bürgermeister. Das Amt sei anstrengend und manchmal frustrierend, daher sei der Austausch mit den Kollegen umso wichtiger. Er warnte ihn vor der anstehenden Bürgermeistertaufe, einem Ritual der Kommunalpolitiker, zu dessen Einzelheiten er sich ausschwieg. Hinsichtlich der regionalen Themen wie Stromversorgung und dem ÖPNV am Edersee versprach Gutheil Zusammenarbeit.
Martin Schwächel verabschiedete Vollbracht im Namen der Ortsvorsteher und begrüßte den Nachfolger. Auch Vertreter der christlichen Konfessionen teilten ihre Glückwünsche. „Wir sind nicht der einfachste Nachbar, aber ich hoffe, wir werden gut klarkommen“, wünschte sich Manuel Schweiger, Leiter des Kellerwald-Nationalparks. Letztlich meldeten sich auch die Waldecker Feuerwehr, Markus Schaller vom Förderverein Niederwerbe-Scheid und die Waldecker Fraktionsvorsitzenden zu Wort.
Zum Schluss seiner Rede nahm Havel Bezug auf die Worte von Schwarz. „Ich habe jetzt 7000 neue Kinder, auch wenn ich außer meinem Sohn keinen davon ins Bett bringen werde“, sagte er scherzend.
JAKOB BÜCHSENSCHÜTZ
2025 WLZ 31. 03.